Vom KZ zum Familienbesitz: Ausstellung #StolenMemory auf Kellereiplatz

Vom KZ zum Familienbesitz: Ausstellung #StolenMemory auf Kellereiplatz

Die Arolsen Archives eröffnen am Donnerstag, 19. März, in Hofheim die Open-Air Wanderausstellung #StolenMemory. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten „Effekten“ an die Familien der Opfer zurückzugeben. Die Ausstellung auf dem Kellereiplatz bleibt bis zum 31. März in Hofheim; geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.

„Effekten“ sind persönliche Gegenstände, die Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände an die Angehörigen. Über 1.000 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten.

StolenMemory
In solchen umgebauten Übersee-Containern macht eine europaweite Wanderausstellung auf das Projekt #StolenMemory aufmerksam.

Die Arolsen Archives sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung mit mittlerweile vier Containern durch Deutschland und aktuell auch durch Polen und Frankreich. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Finanziert werden die Arolsen Archives und auch die Wanderausstellungen in Deutschland durch das Auswärtige Amt.

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegenstände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer und den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher über QR-Codes Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke rund 2.000 Personen aus ganz Europa auf.

Effektenuebergabe
#StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives, die sich der Rückgabe persönlicher Gegenstände widmet, die den Häftlingen in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten entwendet wurden.

„Viele NS-Opfer hinterließen ihren Familien keine persönlichen Gegenstände, weil die Nazis ihnen alles nahmen“, so Charlotte Meiwes, Projektleiterin für #StolenMemory bei den Arolsen Archives. Dass die Effekten erhalten geblieben sind, sei für die Angehörigen deswegen überraschend: „Einige von ihnen erfahren neue Informationen über diesen Lebensabschnitt ihrer verfolgten Familienmitglieder“. Deshalb sei es so wichtig, die Familien zu finden und ihnen die Gegenstände zu übergeben.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org interessante Einblicke: Kurze, animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schicksalen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet.  Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungseinrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann. 

Wenn Gruppen-Besuche gewünscht sind: bitte bei Frau Rehberger melden (Tel. 06192 202 443 oder Mail arehberger@hofheim.de.


Unser Bild oben zeigt die persönliche Gegenstände, die Neonella Doboitschina gehörten. Ihre Angehörigen werden noch gesucht, um ihnen die Effekten zurückzugeben.


Quelle: Arolsen Archives

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