Musikschule in der Krise: Geschäftsführer verliert Vertrauen der Politik
Die Musikschule in Hofheim am Taunus steht unter massivem Druck – und gerät immer tiefer in die Bredouille. Dabei geht es längst nicht mehr nur ums Geld. Geschäftsführer Sven Müller-Laupert sorgt mit seinem Auftreten dafür, dass selbst wohlmeinende Stadtverordnete zunehmend skeptisch werden. Der Mann fordert mehr Geld, zeigt jedoch keinerlei Bereitschaft, an den eigenen Kosten zu arbeiten. Entweder hat er nicht begriffen, wie prekär die finanzielle Lage der Stadt ist – oder er blendet sie bewusst aus. Beides kommt im politischen Raum nicht mehr gut an.
Deutlich wurde das am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss. Müller-Laupert hatte bereits im Dezember erklärt, der städtische Zuschuss müsse von bislang 75.000 auf 150.000 Euro verdoppelt werden – andernfalls drohe die Zahlungsunfähigkeit, sprich: die Pleite.
Inzwischen wurde bekannt, dass der Geschäftsführer neben einem guten Gehalt auch einen Bonus von 5.000 Euro erhält, ohne dass erklärt wurde, wofür („Vertragssache“). Gleichzeitig plant er für dieses Jahr einige deutlich steigende Ausgaben – unter anderem ein paar Tausend Euro mehr für die Reparatur von Instrumenten („Investitionsstau“) und auch ein paar Tausend Euro mehr für die Reinigung des Pfälzer Hofs („Beschwerdereduktion“).
Grundsätzlich bekannten sich die Stadtverordneten fraktionsübergreifend zum Erhalt der Musikschule. Doch die Kritik wurde spürbar lauter. Was früher vielleicht als eigensinnige Attitüde eines Kulturbetriebsleiters durchging, wirkt in Zeiten knapper Kassen wie ungeniertes Handaufhalten – bei gleichzeitiger Verweigerung jeder Gegenleistung.
So wollte Barbara Grassel (Die Linke) wissen, warum das Parlament erst kurz vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit über die wahre finanzielle Lage der Musikschule informiert worden sei.
Tanja Lindenthal (Bürger für Hofheim) fragte nach, warum bis heute kein Zukunftskonzept vorliege – obwohl ein solches bereits im Dezember eingefordert worden war.
Michaela Schwarz (FDP) wollte wissen, weshalb ausgerechnet jetzt Tariferhöhungen und deutlich höhere Ausgaben für Fortbildungen geplant seien. In der freien Wirtschaft, so Schwarz, rate man bei existenzieller Bedrohung zu einer Nullrunde.
Überzeugende Antworten blieben aus. Andreas Nickel (FWG) redete sich zeitweise in Rage. Es fehle jede Idee, wie die Musikschule Kosten senken könne. „Sie entwinden sich uns, das ärgert mich“, sagte er in Richtung Müller-Laupert. Alle müssten sparen – „das würde ich auch von Ihnen erwarten“.
Die Diskussion zog sich über mehr als eine Stunde. Kritische Nachfragen prallten an Müller-Laupert ab; seine Antworten blieben ausweichend oder fielen ganz aus. Mehrfach verwies er darauf, der Wirtschaftsplan sei zu einer Zeit aufgestellt worden, als die finanzielle Not der Stadt noch nicht absehbar gewesen sei. Andernfalls hätte man „sicher anders geplant“.
Darauf stellte Andreas Hegeler (CDU) die naheliegende Frage: Was hätte man denn konkret anders gemacht? Eine Antwort blieb Müller-Laupert schuldig.
Sein schärfstes Argument für die Verweigerung von Auskünften: Ohne Rücksprache mit dem Aufsichtsrat – dem Vertreter des Volksbildungsvereins und der Stadt angehören – könne er nichts sagen. Der Aufsichtsrat tage jedoch erst im März.
Warum dieses Gremium angesichts der akuten Notlage nicht umgehend zusammenkommt, um Lösungen zu erarbeiten – und stattdessen offenbar selbstverständlich auf weitere Mittel aus der klammen Stadtkasse setzt –, blieb ebenfalls offen.
Noch eine Nachfrage von Tanja Lindenthal: Warum werde der Förderverein der Musikschule nicht aktiv? „Ich habe noch von keinem Aufruf gehört.“ Müller-Laupert wies das zurück: Dafür sei der Förderverein nicht zuständig – „aber ich will Ihre Anregung gerne weitergeben“.
Die klarste Ansage kam schließlich von der FDP: Man sei grundsätzlich bereit, einen Zuschuss zu gewähren – allerdings deutlich niedriger als von der Musikschule gefordert. „Dann müssen Sie den Wirtschaftsplan überarbeiten“, so Michaela Schwarz.
Ob sich dafür eine Mehrheit findet, entscheidet sich in Kürze. In der kommenden Woche gehen die Haushaltsberatungen in die entscheidende Phase. Am Mittwoch tagt erneut der Haupt- und Finanzausschuss, um die letzten Details festzuzurren: Wo soll gespart werden, was kann verkauft werden – und was an Steuern und Gebühren soll teurer werden? Ziel ist es, die geplante drastische Erhöhung der Steuer aufs Wohnen (Grundsteuer B) zu vermeiden. Beginn ist um 18 Uhr in der Stadthalle Hofheim. Eine Woche später wird dann die endgültige Entscheidung im Stadtparlament fallen.
Unser Bild zeigt den Pfälzer Hof am Bahnhof, Sitz der Musikschule. Das Gebäude gilt als stark sanierungsbedürftig. Angesichts der angespannten Stadtkasse gibt es erste politische Forderungen, das Objekt zu verkaufen. Die Musikschule könnte dann in die alte Stadtbücherei an der Elisabethenstraße umziehen.
HN/TR

