Trotz Pleitegefahr: So treibt die Musikschule die Kosten nach oben
Millionendefizit im Haushalt, Sparappelle an allen Ecken – doch ausgerechnet die städtische Musikschule plant höhere Ausgaben und zahlt ihrem Geschäftsführer einen Bonus. Die SPD verlangt nun Aufklärung vom Rathaus. Die Antworten bleiben vage und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten.
Die Irritationen rund um die städtische Musikschule nehmen weiter zu. Während die Stadtkasse ein Millionendefizit aufweist und die Stadtverordneten seit Wochen händeringend nach Einsparmöglichkeiten suchen, um die Bürgerinnen und Bürger nicht zusätzlich zu belasten, plant ausgerechnet das städtische Tochterunternehmen neue Ausgabensteigerungen. Dabei steht die Musikschule selbst vor erheblichen finanziellen Problemen, bis hin zur drohenden Zahlungsunfähigkeit – und trotzdem hat Geschäftsführer Sven Müller-Laupert mehrere Kostenblöcke deutlich erhöht. Zugleich fordert er bekanntlich von der Stadt eine Erhöhung des städtischen Zuschusses von 75.000 auf 150.000 Euro.
In der Politik wächst der Unmut. Die SPD-Fraktion hat nun mehrere kritische Fragen an das Rathaus gerichtet und detaillierte Erklärungen verlangt.
Besonders brisant ist die Vergütung des Geschäftsführers: Müller-Laupert bekommt rund 75.000 Euro Jahresgehalt plus 5.000 Euro Sonderzahlung – und das, obwohl gerade er als Geschäftsführer für die finanziellen Engpässe der GmbH verantwortlich ist.
Noch vor wenigen Wochen verweigerte das Rathaus jede klare Auskunft. „Bei den erfragten Zahlen handelt es sich nicht um amtliche Informationen der Kreisstadt Hofheim am Taunus“, hieß es lapidar. Mittlerweile verweist man immerhin auf den Anstellungsvertrag. Demnach unterliegt das Grundgehalt nur tariflichen Steigerungen, die Sonderzahlung sei „an die Erfüllung einer Zielvereinbarung geknüpft“.
Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Die Zielvereinbarung scheint nicht am wirtschaftlichen Erfolg der Musikschule orientiert zu sein – also nicht an jenen Kennzahlen, die angesichts drohender Zahlungsunfähigkeit entscheidend wären. Hinzu kommt die politische Brisanz der familiären Verbindung: Die Lebensgefährtin des Geschäftsführers leitet die Kulturabteilung im Rathaus – eine Konstellation, die Interessenkonflikte nahelegt und die Debatte um Transparenz und Neutralität im Rathaus weiter anheizt.
Doch nicht nur bei den Personalkosten greift die Musikschule tiefer in die Kasse. Auch bei den Sachausgaben sind teils massive Steigerungen vorgesehen.
So sollen die Mittel für Reparatur und Instandhaltung von bislang 1.000 Euro auf 7.500 Euro anwachsen. Das Rathaus verweist in seiner Erklärung auf einen über Jahre aufgelaufenen Investitions- und Wartungsstau bei den Musikinstrumenten, der aus finanziellen Gründen hingenommen worden sei. Ab 2026 sei ein deutlich höherer Aufwand erforderlich, um die Instrumente „betriebsfähig, pädagogisch nutzbar und werterhaltend“ zu halten. Warum der Geschäftsführer diesen absehbaren Mehrbedarf nicht früher zumindest schrittweise eingeplant hat, bleibt unbeantwortet.
Auch die Fortbildungskosten sollen kräftig steigen – von 1.000 auf 5.000 Euro jährlich. Dies sei „fachlich und strategisch begründet“, heißt es aus dem Rathaus. Angesichts des Fachkräftemangels setze man verstärkt auf die Qualifizierung eigener Mitarbeitender. Kritiker halten dagegen: In nahezu allen anderen Bereichen der Stadtverwaltung würden selbst strategisch sinnvolle Maßnahmen derzeit verschoben oder gekürzt – nur bei der Musikschule offenbar nicht.
Schon fast absurd: Die Kosten für die Gebäudereinigung sollen von 7.000 auf 12.000 Euro fast verdoppelt werden – mitten in einer Phase, in der die Stadtkasse klamm ist. Bisher wurde das Musikschulgebäude ein- bis zweimal pro Woche gereinigt; laut Rathaus sei der Zustand laut Kundenumfrage der „größte Unzufriedenheitsfaktor“. Künftig sollen zwei bis drei Reinigungen pro Woche erfolgen, um „Hygiene, Nutzungsqualität und die Beschwerdereduktion“ zu verbessern. Für viele Stadtverordnete ist das ein Sinnbild: Anstatt Einsparpotenziale zu prüfen, werden zusätzliche Ausgaben reflexhaft als alternativlos dargestellt – während anderswo um jeden Euro gerungen wird.
Besonders deutlich wird die Schieflage schließlich bei der Mietregelung für den Pfälzer Hof. Formal zahlt die Musikschule Hofheim gGmbH eine Jahresmiete von 44.000 Euro an die Stadt, die Eigentümerin des Gebäudes ist. Gleichzeitig erhält die Musikschule einen zusätzlichen städtischen Zuschuss in exakt gleicher Höhe. Unterm Strich übernimmt die Stadt die Mietkosten damit vollständig selbst. Für den städtischen Haushalt bedeutet das eine erhebliche Belastung – während die Musikschule zugleich ein finanzielles Sicherheitsnetz erhält, das ihren Handlungsspielraum erweitert, während andernorts um jeden Euro gerungen wird.
HN/TR

