6 Wochen vor der Wahl: Ortsvorsteherin in Wallau wirft hin – und verlässt die CDU
Es ist ein politischer Paukenschlag, und das auch noch kurz vor der Kommunalwahl: Die Wallauer Ortsvorsteherin Anja Hauzel tritt zurück – und verlässt zugleich die CDU. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen das innerparteiliche Machtgefüge und das Rollenverständnis der Verantwortlichen. Ihre Kritik trifft die Hofheimer CDU in einer politisch hochsensiblen Phase und offenbart erhebliche Spannungen innerhalb der Stadtpartei – nur rund sechs Wochen vor dem Urnengang.
Anja Hauzel zieht in einer schriftlichen Erklärung einen drastischen Schlussstrich: „Nach fast 20 Jahren Mitgliedschaft in der CDU ist für mich ein Punkt erreicht, an dem ich konsequent einen Schlussstrich ziehe“, schreibt sie. Ihren Rücktritt als Ortsvorsteherin erklärt sie zum 1. Februar 2026 und kündigt zugleich ihren Austritt aus der CDU an.
Die 1964 in Wallau geborene Hauzel übernahm 2005 den elterlichen Gartenbaubetrieb. In der örtlichen CDU ist sie seit Jahren aktiv. Bei den vergangenen Kommunalwahlen warb sie mit dem Slogan:„Ich bin die Grüne unter den Schwarzen“ – 2021 wurde sie zur Ortsvorsteherin in dem 4.400-Seelen-Dörfchen gewählt.
Nach Hauzels Darstellung ist der Bruch die Folge der Listenaufstellung der CDU für die Kommunalwahl am 15. März. Ihre ursprüngliche Platzierung auf Rang 41 wertet sie als „deutliches Signal mangelnder Wertschätzung“ – sowohl für ihre Arbeit als Ortsvorsteherin als auch für ihre „tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft“. Ein späterer Versuch, sie auf Platz 20 zu setzen, ändere „nichts an der grundsätzlichen Haltung der Verantwortlichen“.

Hauzel grenzt sich in ihrer Erklärung deutlich von parteiinternen Machtstrukturen ab. Sie lebe nicht in einer politischen „CDU-Blase“, sondern stehe „mitten im Leben“ und wisse „durch den täglichen Austausch mit den Bürgern genau, wo der Schuh drückt“. Diese Nähe zur Basis habe sie stets als Kern ihres politischen Handelns verstanden.
Ihre Kritik geht jedoch weit über die konkrete Listenentscheidung hinaus. Die CDU Hofheim, so Hauzel, zeige nur geringes Interesse an den fachlichen Qualifikationen und der Expertise der eigenen Mitglieder. „Anstatt dieses Potenzial und diese Erfahrung für eine fundierte Sacharbeit im Stadtparlament zu nutzen, herrscht Desinteresse“, heißt es in der Erklärung.
Besonders scharf fällt Hauzels Abrechnung mit dem innerparteilichen Rollenverständnis aus. Das Bild, das die CDU Hofheim von Mandatsträgerinnen habe, empfinde sie als „besonders befremdlich“. Noch immer dominiere das Denken in „Quotenfrauen“, während „die Herren am längeren Hebel sitzen“. Von moderner politischer Arbeit könne unter diesen Voraussetzungen keine Rede sein.
Oliver Vogt leitet die nächste Ortsbeirat-Sitzung
Der Ortsbeirat Wallau tagt kurz vor der Kommunalwahl noch einmal regulär: am Donnerstag, 5. Februar, um 19 Uhr im ehemaligen Rathaus. Auf der Tagesordnung stehen mehrere Anfragen sowie die Vorstellung des Haushaltsplans 2026. Die Sitzung leitet der stellvertretende Ortsvorsteher Oliver Vogt (FWG), der im November mit einer umstrittenen Rede am Volkstrauertag stadtweit für Empörung gesorgt hatte.
Der Rücktritt der Ortsvorsteherin und ihr Parteiaustritt sind für die CDU ein doppelter Schlag: ein klarer personeller Verlust und ein schwerer Image-Schaden im laufenden Wahlkampf. Das Bürgermeisteramt hat die Partei bereits verloren, im hauptamtlichen Magistrat ist sie nicht mehr vertreten. Dem früheren CDU-Bürgermeister wird vorgeworfen, die Millionenschulden der Stadt zu lange verheimlicht zu haben. Statt Verantwortung zu zeigen, reagiert die Partei mit beleidigten Einwürfen, plakativen Slogans und persönlicher Polemik: Sie griff den neuen Bürgermeister sogar an, weil er bei einer Weihnachtsfeier für Senioren fünf Euro Eintritt erhob – „Bürgermeister zockt Senioren ab!“ lautete der CDU-Beitrag auf Facebook.
Dass eine profilierte Kommunalpolitikerin nur wenige Wochen vor der Wahl so offen mit ihrer eigenen Partei bricht, ist ein harter Schlag für die CDU. Auch ihr Lebensgefährte Benjamin Hauzel, der dem Stadtparlament angehört, tritt am 15. März nicht mehr für die Partei an – ein echter Verlust, gilt er doch als ausgewiesener Experte für kommunale Finanzen.
Nun folgt die schonungslose Abrechnung von Anja Hauzel: Sie legt interne Machtstrukturen, mangelnde Wertschätzung und politische Kurzsichtigkeit offen – ein Skandal, der innerparteilich wie öffentlich für Aufsehen sorgt und die Wählerstimmung nachhaltig beeinflussen könnte.
Unser Bild oben zeigt Anja Hauzel. Das Foto hat die CDU-Stadtpartei auf ihrer Webseite veröffentlicht.
HN / TR

