Es geht um den Stadtwald: Linken-Plan könnte Millionen in die Stadtkasse spülen

Es geht um den Stadtwald: Linken-Plan könnte Millionen in die Stadtkasse spülen

Werden die Linken zu Rettern der Hofheimer Finanzen? Ein Antrag der Partei klingt jedenfalls verblüffend einfach – und finanziell höchst attraktiv. Im Zentrum steht ausgerechnet der Stadtwald. Er soll nicht etwa ausgebeutet, sondern geschont werden. Der Clou: Genau das könnte der klammen Stadtkasse Millionen einbringen.

Ausgearbeitet wurde der Vorschlag von Anita Vogt. Sie hat ihn mit zahlreichen Zahlen unterlegt und, wie sie sagt, vorab mit Forstfachleuten diskutiert. Deren Rückmeldungen seien positiv gewesen.

Das ist die Grundidee: Weniger wirtschaften, mehr Natur zulassen – und dafür Geld vom Bund erhalten.

Vogt schlägt vor, ein Bundesförderprogramm anzuzapfen – den sogenannten KlimaWildnisFonds. Mit ihm will die Bundesregierung erreichen, dass sich zwei Prozent der deutschen Waldfläche dauerhaft natürlich entwickeln dürfen – also ohne Holzeinschlag und forstwirtschaftliche Nutzung. Waldbesitzer, die dafür Flächen stilllegen, erhalten eine Ausgleichszahlung.

Für Hofheim könnte das lukrativ sein. Der Stadtwald ist über 1.400 Hektar groß. Seine Bewirtschaftung kostet die Stadt jedes Jahr fast eine Million Euro. Der größte Posten sind Personalkosten: Verwaltung, Förster, Waldarbeiter – das läppert sich auf knapp eine halbe Million Euro. Hinzu kommen Ausgaben für Wegeunterhaltung, Neuanpflanzungen und Müllentsorgung…

Dem stehen Einnahmen von rund 370.000 Euro gegenüber. Der Löwenanteil stammt aus der Holzernte (etwa 335.000 Euro), die Jagdpacht bringt lediglich rund 5.000 Euro ein.

Unterm Strich bleibt für die Stadt ein jährliches Minus von mehr als 500.000 Euro – mit steigender Tendenz.

Der Vorschlag der Linken: Rund 500 Hektar, also knapp die Hälfte des Stadtwaldes, sollen aus der Nutzung genommen und der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Dafür könnte Hofheim nach Vogts Berechnungen einmalig 12,5 Millionen Euro Fördergeld erhalten. Gleichzeitig würden viele Arbeiten entfallen, was das jährliche Defizit dauerhaft um etwa 100.000 Euro senken könnte.

Wald
Diese Karte legte Anita Vogt ihren Unterlagen bei: Markiert sind alle Flächen, die für das Bundesförderprogramm „KlimaWildnisFonds“ infrage kommen – insgesamt knapp 1.300 Hektar. Die Gesamtwaldfläche in Hofheim beträgt 2.372 Hektar, die Betriebsfläche des Stadtwaldes rund 1.414 Hektar.

Vogt betont, dass ihre Kalkulationen auf dem aktuellen Waldwirtschaftsplan der Stadt basieren – also auf Zahlen aus der Verwaltung selbst. Zudem seien die Ansätze bewusst vorsichtig gewählt. Der Bund zahlt je nach Lage und Qualität des Waldes zwischen 1,50 und 5,00 Euro pro Quadratmeter stillgelegter Fläche. In ihren Berechnungen geht Vogt von 2,50 Euro aus. Ein Forstsachverständiger habe ihr allerdings signalisiert, dass der Hofheimer Wald im urbanen Rhein-Main-Gebiet eher höher bewertet werden dürfte – mit bis zu fünf Euro pro Quadratmeter.

Forstausschuss tagt am Mittwoch – Stadtwald im Fokus

Auch kleinere Flächen könnten sich für Hofheim angesichts des riesigen Lochs in der Stadtkasse lohnen: 100 Hektar brächten rund 2,5 Millionen Euro, bei 1.000 Hektar wären es etwa 27 Millionen Euro – je nach Quadratmeterpreis auch deutlich mehr. Die Kreisstadt wäre alle finanziellen Sorgen mit einem Schlag los…

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Sattes Grün, erholsame Ruhe: So lieben die Hofheimer ihren Stadtwald.

Wo ist der Haken?

Ganz ohne Bedingungen geht es nicht. Der entscheidende Punkt: Für die Förderung muss im Grundbuch ein dauerhafter Nutzungsverzicht zugunsten der Bundesrepublik eingetragen werden. Die Flächen blieben zwar Eigentum der Stadt Hofheim, zentrale Rechte würden jedoch abgegeben. Holzeinschlag wäre tabu, wirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen – der Wald müsste „einfach Wald sein dürfen“.

Für die Bevölkerung soll sich dagegen kaum etwas ändern. Der Stadtwald bliebe frei zugänglich. „Das Betreten des Waldes ist weiterhin ausdrücklich erwünscht“, sagt Vogt. Und auch das Sammeln von Pilzen oder das Erholen in der Natur sei weiterhin erlaubt.

Vorstellen will sie ihren Plan an diesem Mittwoch im Forstausschuss. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Stadthalle. Auf der Tagesordnung steht nur ein Thema: der Haushaltsplan. Es geht um die angespannte Finanzlage der Stadt. Um das Millionenloch. Und wie es gestopft werden könnte.

Ob die Stadtverordneten der anderen Fraktionen sich auf eine Diskussion einlassen werden und aus dem Stadtwald tatsächlich ein finanzieller Rettungsanker wird, ist noch völlig offen. Der Vorschlag der Linken dürfte allerdings  frischen Wind in die Debatte bringen: Vielleicht schafft er es, Politik und Verwaltung dazu zu bringen, den Stadtwald nicht nur als Kostenfaktor zu sehen. Sondern als echte Chance ganz neu zu betrachten.

HN / TR

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