Wallauer Spange auf Eis: Rathaus Hofheim ist „überrascht und bestürzt“
Was sagt eigentlich Hofheims Stadtspitze zur Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums, das Projekt „Wallauer Spange“ vorerst auf Eis zu legen? Wir haben im Rathaus nachgefragt – und eine klare Antwort bekommen.
Die Stadt Hofheim zeigt sich „sehr überrascht und bestürzt“ über die jüngsten Entwicklungen. Das Projekt sei von großer Bedeutung für die Stadt und die Region. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Wiesbaden wolle man sich dafür einsetzen, dass die Wallauer Spange nicht gestrichen werde. So heißt es in einer Stellungnahme – nein, nicht von Bürgermeister Wilhelm Schultze. Nur Hofheims Erster Stadtrat Daniel Philipp äußerte sich: „Das Bundesverkehrsministerium muss seine Entscheidung zurücknehmen“, sagte er. „Wir fordern, dass das Projekt im Zeitplan umgesetzt wird. Der Rückhalt für die Wallauer Spange ist bei uns groß: Pendlerinnen und Pendler ebenso wie die Wirtschaft würden stark davon profitieren.“
Ein Blick ins Archiv zeigt, wie viel politisches Kapital über Jahre hinweg in dieses Projekt investiert wurde – und wie optimistisch die Beteiligten lange Zeit waren, die Kosten schultern zu können. Immer wieder wurde betont, dass direkte und schnelle Bahnverbindungen zwischen Wiesbaden, dem Frankfurter Flughafen und weiteren Städten den Pendler- und Nahverkehr deutlich verbessern würden. Ebenso regelmäßig war von einer Stärkung der Wirtschaftskraft Wiesbadens und der gesamten Region durch eine direkte Schienenanbindung an den Flughafen die Rede.
Eine prosperierende Zukunft ohne Wallauer Spange schien kaum noch vorstellbar. Entsprechend wurde bereits investiert: Im Oktober vergangenen Jahres berichtete der Magistrat, dass die bisherigen Planungskosten bei rund einer halben Million Euro lägen. Auf die Stadt Hofheim entfielen davon etwa 220.000 Euro.
Erste Risse bekam das Projekt vor zwei Jahren. Damals wurde bekannt, dass sich der Baustart verzögern würde – und erstmals wurde auch offen darüber spekuliert, ob das Vorhaben aus finanziellen Gründen ganz scheitern könnte. Philipp verbreitete Zweckoptimismus: „Bislang haben wir die Zusicherung, dass es bei den Plänen bleibt“, sagte er vor der Stadtverordnetenversammlung. Und fügte fast prophetisch hinzu: „Alles kann sich ändern.“
Die Stadtverordnetenversammlung beauftragte den Magistrat daraufhin, sich bei Land und Bund weiterhin für den Bau der Strecke einzusetzen. Nur die Linke im Hofheimer Parlament scherte aus: Sie hielt das Projekt für überdimensioniert und viel zu teuer. Sie argumentierte, dass Nahverkehrszüge dort lediglich im Halbstundentakt halten würden – kein attraktives Angebot für Pendler. Zudem bezweifelte sie, dass weder die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft noch die beteiligten Kommunen die Mittel für einen leistungsfähigen Busverkehr zum neuen Bahnhof aufbringen könnten. Die Einwände verhallten. „Ein Thema für übermorgen“, befand FDP-Stadtverordneter Ralf Weber, auch die Grünen signalisierten Zustimmung.
Nun ist erst einmal Schluss – zumindest vorläufig. Philipp versichert, die Stadtverwaltung sei bereits am Donnerstagmorgen über den neuen Sachstand informiert worden. Während in Wiesbaden führende Stadtpolitiker umgehend mit deutlichen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit gingen, blieben die Hofheimerinnen und Hofheimer zunächst außen vor. Man habe „den Tag genutzt, das Thema auf Landesebene zu heben, was uns auch gelungen ist“, heißt es aus dem Rathaus. Bereits am Freitag sei ein Berichtsantrag für die nächste Sitzung des Verkehrsausschusses des Landes eingereicht worden. „Zudem suchen wir das Gespräch mit dem zuständigen Ministerium“, so Philipp.
HN / TR

