Auf ein Glas mit Axel Eisenkopf: Gespräch über die Weinkultur in Hofheim
Axel Eisenkopf dürfte einer der exzellentesten Weinkenner in der Kreisstadt Hofheim sein. Der Inhaber der Firma Winewhisper ist 52 Jahre alt, lebt seit über 20 Jahren mit seiner Familie in Hofheim und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Wein – beruflich wie privat. Wir haben ihn befragt: Wie wird man Wein-Experte, welche Trends sind gerade angesagt – und warum schmeckt Wein in Hofheim eigentlich besonders gut?
Hofheim-News: Zunächst etwas Persönliches: Wie sind Sie selbst zum Wein gekommen? Gab es so etwas wie einen Schlüsselmoment?
Axel Eisenkopf: Wein hat mich eigentlich schon immer begleitet. Schon im Studium habe ich gerne Wein getrunken und kleine Weinrunden organisiert. Später im Berufsleben konnte ich dann auch außergewöhnlichere Weine probieren. Irgendwann wollte ich Wein nicht mehr nur trinken, sondern wirklich verstehen. Deshalb habe ich in London Kurse bei der international renommierten Wine & Spirit Education Trust belegt und schließlich das WSET Diploma abgeschlossen. In dieser Zeit habe ich gelernt, Wein analytisch zu erfassen – bis ins kleinste Detail.
Der entscheidende Schlüsselmoment kam aber in einer privaten Weinrunde, als mir ein guter Freund sagte, dass ich zwar viel wüsste, aber gerade verlerne, Wein einfach zu genießen. Das war ein echtes Aha-Erlebnis. Am Ende geht es beim Wein nicht um Analyse, sondern um Genuss – mit allen Sinnen.

Was macht für Sie einen echten „Weinkenner“ aus?
Mit dem Begriff tue ich mich ehrlich gesagt schwer. Wein ist kein Wettbewerb. Erfahrung kommt mit der Zeit, Bauchgefühl entwickelt sich von selbst. Entscheidend sind Neugier, Wertschätzung und vor allem der Spaß am Genuss. Wein ist ein Naturprodukt – und man lernt nie aus.
Gibt es eine Region, die Sie besonders geprägt hat?
Der Rheingau liegt mir sehr am Herzen, auch wegen der persönlichen Nähe zu vielen Winzern. Ebenso das Elsass, das ich seit fast 20 Jahren regelmäßig besuche. Meine Leidenschaft für Crémant ist dort gewachsen.
Wein im Wandel: Der Trend geht zu weniger Alkohol
Wein muss heute in den Alltag passen…
Viele Menschen trinken heute weniger Wein, dafür bewusster. Qualität, Herkunft und der richtige Moment sind wichtiger geworden. Gleichzeitig sehe ich einen klaren Trend zu weniger Alkohol. Weißweine, Rosés und vor allem Schaumweine gewinnen an Bedeutung, schwere und alkoholreiche Weine verlieren an Relevanz.
Alkoholfreier Wein: Trend oder gekommen, um zu bleiben?
Alkoholfreier Wein ist kein Verzicht mehr, sondern ein eigenständiger Genussstil. Gerade alkoholfreie Schaumweine überzeugen heute durch Frische und Struktur. Wichtig sind Trockenheit, Säure und Balance – nicht alles ist gut, aber Gutes wird spürbar besser. Viele Winzerbetriebe wie das mehrfach ausgezeichnete Weingut Bibo Runge stellt mittlerweile wirklich trockene gute alkoholfreie Sekte her.
Was bedeutet Weinkultur heute?
Weinkultur heißt für mich heute Offenheit. Wein ist kein Statussymbol mehr, sondern Begleiter: beim Essen, im Gespräch oder ganz bewusst alkoholfrei. Das ist moderne Weinkultur.
Beobachten Sie einen Generationswechsel?
Ja, sehr deutlich, auch hier in Hofheim. Jüngere Menschen gehen bewusster mit Alkohol um. Wein muss in den Alltag passen, etwa auf Märkten oder beim Treffen mit Freunden. Alkoholfreie und alkoholarme Weine werden ganz selbstverständlich angenommen.
Ein guter Weinstand bringt Menschen zusammen
Hat Wein noch den gleichen gesellschaftlichen Stellenwert?
Zu Hause wird heute oft weniger Wein getrunken als früher, dafür bewusster. Gleichzeitig spielt Wein bei Events und Festivitäten wieder eine größere Rolle. Formate wie der Hofheimer Feierabendmarkt zeigen, wie stark der Wunsch nach gemeinschaftlichem Genuss ist.

Welche Rolle spielen Märkte und Events?
Sie sind zentral. Sie holen Wein aus dem privaten Raum zurück in die Öffentlichkeit. Menschen probieren, kommen ins Gespräch, genießen gemeinsam, genau dort entsteht zeitgemäße Weinkultur.
Kann Wein ein Kommunikationsmittel sein?
Absolut. Ein Glas Wein verbindet Menschen. Ich habe das auch beruflich erlebt, bei Afterwork-Weinabenden saßen von Führungskräften und bis Praktikanten alle dabei. Kein anderes Medium hat die Menschen so verbunden und nachhaltig vernetzt wie dieses – auch über größere Business Hierarchien hinweg.
Warum funktionieren Weinstände so gut?
Wein bringt Menschen zusammen. Es ist unkompliziert, gesellig und emotional. Die Kombination aus Genuss, Begegnung und Atmosphäre funktioniert einfach.
Was macht einen guten Weinstand aus?
Gute Qualität, faire Preise, neue Entdeckungen, eine auf die Kundschaft zugeschnittene Weinauswahl und vor allem das persönliche Gespräch. Genau das macht den Unterschied.
Hofheimer sind offen für Genuss und soziale Begegnung
Wie nehmen Sie Hofheim wahr?
Hofheim verfügt über eine lebendige und vielfältige Weinkultur. Das zeigt sich nicht nur am großen Zuspruch für Wein Events, sondern auch an der breiten Landschaft an Weinhändlern mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten.
Darüber hinaus gibt es ein spürbares Interesse an kleineren Wein Veranstaltungen, das ich auch bei meinen eigenen Thementastings immer wieder erlebe. Wichtige Impulse kommen zudem aus der Gastronomie: Viele Betriebe legen großen Wert auf gut kuratierte Weinkarten. Beispiele dafür sind unter anderem das L’Opera, die Scheuer, das Maison d’Amer, das 1811 – stellvertretend für eine insgesamt sehr engagierte Hofheimer Gastroszene.
Auch im Barbereich ist viel in Bewegung. Häuser wie das Balthasar oder die Orientierbar haben ihre Weinauswahl in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Die Orientierbar setzt zudem gezielt auf Weinevents, etwa mit einem Crémant-Tasting im Dezember und zeigt damit, wie vielfältig und lebendig die lokale Weinkultur inzwischen ist.
Was macht Hofheim besonders?
Die Menschen sind weinaffin, offen für Genuss und soziale Begegnung. Die Altstadt bietet dafür den perfekten Rahmen.
Bereichern Weinstände das Stadtleben?
Ganz klar ja. Man spürt, dass dabei etwas Gemeinsames wächst.
Wie entwickelt sich Weinkultur in Städten wie Hofheim?
Wein wird bleiben und sich weiterentwickeln. Neben großen Events gewinnen kleinere, besondere Formate an Bedeutung: Tastings, Weinbegleitungen, thematische Abende.

Welche Formate werden dominieren?
Weinbars, Weinstände, Pop-up-Formate, alles, was Wein als soziales Erlebnis inszeniert.
Was den Menschen sagen, die sagen: „Ich mag eigentlich keinen Wein„?
Offen bleiben, Vorurteile über Bord werfen. Weine mit moderater Säure, nicht zu trocken Weiß oder Grauburgunder sind oft ein guter Einstieg. Gereifte, leicht restsüße Weine sorgen häufig für echte Aha Momente.
Gibt es schon Entdeckungen fürs neue Jahr?
Schaumwein ist einer der vielseitigsten Essensbegleiter überhaupt. Die feine Kohlensäure wirkt wie ein Frischeimpuls und reinigt den Gaumen – jeder neue Bissen wird wieder klar und lebendig. Die gut eingebundene Säure balanciert Fett, Salz und Würze. Leicht, elegant und vielseitig – so eignet er sich für viele Gerichte, von Fisch und Meeresfrüchten über Käse und cremige Speisen bis hin zu Streetfood, selbst zu Currywurst mit Pommes. Somit der ideale Begleiter vom Aperitif bis zum Hauptgang.
Besonders gereifter Riesling mit etwas Restsüße gewinnt an Schmelz, Textur und Tiefe. Großartig zu Rindfleisch vom Grill (insbesondere Dry aged), kräftigem Käse oder scharfes Thai Curry. Die Kombinationen verschmelzen meist zusammen.
Zum Abschluss noch diese Frage: Ihr Wunsch für Hofheim?
Den eingeschlagenen Weg weitergehen: Genuss, Begegnung und Gemeinschaft fördern und Hofheim damit weiter zu etwas Besonderem machen.
Quelle: HN/KK

