Grüne Stadtverordnete entsetzt über Rede von Oliver Vogt am Volkstrauertag
Große Aufregung im kleinen Wallau: Am Volkstrauertag hielt der stellvertretende Ortsvorsteher Oliver Vogt – er ist Mitglied der Freien Wählergemeinschaft (FWG) – bei einer offiziellen Gedenkfeier des Ortsbeirates eine Ansprache. Er nutzte die Gelegenheit, um Kritik am Bildungswesen und an der Gewichtung bestimmter gesellschaftlicher Themen zu äußern; außerdem sprach er von zunehmenden „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ in Städten und Gemeinden. Das hat nicht allen gefallen. Die Grünen haben dazu eine Pressemitteilung herausgegeben, die wir im Wortlaut wiedergeben. Inzwischen haben sich auch Stadtspitze und Kirche von Vogts Äußerungen distanziert.
„Mit Bestürzung hat die Fraktion der Hofheimer Grünen die Rede des stellvertretenden Wallauer Ortsvorstehers, Herrn Oliver Vogt, zum gestrigen Volkstrauertag zur Kenntnis genommen. Vogt nutzte diesen traditionellen Gedenktag, um unhaltbare Äußerungen kundzutun. Nach seinen Worten werde an den ‚staatlichen Erziehungsanstalten und Universitäten‘ heute über solche Dinge wie Wokeness oder Klimawandel unterrichtet, aber ein fundierter Unterricht über deutsche und europäische Geschichte kleingehalten.
Das Video von der Gedenkfeier wurde von Wallau-Online bei Youtube hochgeladen.
Nach unserer Meinung gebraucht Vogt hiermit den Begriff der Wokeness, der für Wachsamkeit insbesondere im Hinblick auf rassistische und sexistische Diskriminierung sowie soziale Ungleichheit steht, ganz klar abwertend. Darüber hinaus bagatellisiert er den Klimawandel.
‚Sollte es tatsächlich Vogts Wahrnehmung sein, dass diesen beiden essenziellen Themen in der Schule übermäßig Gewicht gegeben und dafür die deutsche Geschichte vernachlässigt wird, können wir ihm nur dringend empfehlen, seine Kritik dem Hessischen Kultusministerium mitzuteilen und uns Hofheimer damit zu verschonen‘, so die Fraktionsvorsitzende der Hofheimer Grünen, Bettina Brestel.
Mit seiner Äußerung, auch in unseren Städten und Gemeinden würden mittlerweile ‚bürgerkriegsähnliche Zustände mit Gewalt und Rechtlosigkeit‘ herrschen, beteiligt Vogt sich nach unserer Meinung an der Verbreitung rechtspopulistischen Gedankenguts.
Am Volkstrauertag wird der Opfer von Gewalt und Krieg gedacht. Die Rede des stellvertretenden Ortsvorstehers wird dem Gedenktag in keiner Weise gerecht.
Wir gehen davon aus, dass der Ortsbeirat Wallau vorab über diese Rede nicht informiert war und dass es sich auch nicht um die Überzeugung aller Mandatsträger in diesem Gremium handelt.“
Nach Vogt-Rede: Stadtspitze und Kirche distanzieren sich
Nach den Hofheim-News griff auch die Lokalzeitung das Thema auf. Zitiert wird die Stadt: „Der hauptamtliche Magistrat der Kreisstadt Hofheim am Taunus vertreten durch Bürgermeister Wilhelm Schultze und Ersten Stadtrat Daniel Philipp distanziert sich in aller Form von dem Wortbeitrag des stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsbeirats Wallau, Oliver Vogt, zum Volkstrauertag.“ Auch Maren Pauler, die bei der Veranstaltung für die Kirche gesprochen hatte, geht auf Distanz: „Ich teile den Inhalt, die Sprache und die gesellschaftliche Einordnung dieser Rede nicht.“ HN
Unser Bild oben zeigt einen Screenshot aus dem Video von der Gedenkfeier in Wallau. Ingrid Franke sprach einleitende Worte, Maren Pauler (links) hielt eine Ansprache. Am Mikrofon: Oliver Vogt bei seiner Ansprache.
Quelle: Grüne Hofheim

