Exklusiv: Kreis stoppt Hofheims Haushalt – Jetzt kommt der Sparhammer

Exklusiv: Kreis stoppt Hofheims Haushalt – Jetzt kommt der Sparhammer

Jetzt wird’s ruppig: Der Kreis grätscht Hofheims jungem Bürgermeister Wilhelm Schultze direkt in die Haushaltsplanung. CDU-Landrat Michael Cyriax lehnt den Etatentwurf 2026 ab – zu hohe Ausgaben, zu geringe Einnahmen, zu große Schulden. In einem Schreiben, das Hofheim-News exklusiv vorliegt, rügt CDU-Landrat Michael Cyriax die Finanzplanung in deutlichen Worten und fordert sofortige Gegenmaßnahmen: Alle freiwilligen Leistungen müssen auf den Prüfstand, von neuen Ausgaben sei „grundsätzlich abzusehen“. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Stadtpolitik ist am Ende. Keine Gestaltungsmöglichkeiten. Keine Spielräume. Keine Chance. Nichts geht mehr. Hofheim ist handlungsunfähig – ein politischer Super-GAU.

Sechs Seiten umfasst das Schreiben, unterzeichnet hat es Cyriax kurz vor Weihnachten. Er verlangt Aufklärung darüber, wo das ganze Geld geblieben ist, kritisiert die Finanzverwaltung in ungewöhnlich klaren Worten – und fordert drastische Maßnahmen. Sofort.

Kurz die Vorgeschichte: Von 2019 bis September 2025 war Christian Vogt Bürgermeister. Ende 2023 legte der CDU-Mann einen Zwei-Jahres-Haushalt für 2024/25 vor. Es klang gut: Man habe „einen robusten Haushalt“, sagte Vogt. „Wir haben kein Geldproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Der Liquiditätskreditrahmen – vergleichbar mit dem Überziehungskredit eines Girokontos – war auf jährlich 15 Millionen Euro festgesetzt. Die Stadtverordneten stimmten zu.

Im März 2025 wurde Vogt abgewählt, blieb aber noch ein halbes Jahr im Amt. Im Verlauf des Jahres verschärfte sich die Situation, zunächst unbemerkt. Mitte des Jahres beantragte Vogt überraschend, den Kreditrahmen auf 25 Millionen Euro zu erhöhen. Die Stadtverordneten nickten. Niemand ahnte, wie ernst die Lage längst war.

Im September 2025 übernahm Wilhelm „Willi“ Schultze das Rathaus. Wochenlang schwieg er zu den Finanzzahlen – einige sagen, viel zu lange. Erst Mitte Dezember machte er die Lage öffentlich: Er sprach von einer „dramatischen Lage“, von einer „schmerzlichen Situation“, von „drastischen Einschnitten“.

Schultze sagte, die  Stadt müsse, um Rechnungen bezahlen zu können, den Überziehungskredit auf 50 Millionen Euro erhöhen. „Wir haben einfach kein Geld mehr.“ Und er schlug vor, im nächsten Jahr die Grundsteuer zu verdreifachen: Alle Bürger sollen zur Kasse gebeten werden.

Die Stadtverordneten werden in den nächsten Wochen über den Haushalt entscheiden. Aber erstmal erlaubten sie die Ausweitung des Kreditrahmens: Was sollten sie anderes tun?

Landrat Cyriax nimmt die Kreisstadt an die kurze Leine

Haushalt Landrat Michael Cyriax
Landrat Michael Cyriax.

Doch nun spielt der Landrat nicht mehr mit: 50 Millionen? Abgelehnt! Wörtlich heißt es im Cyriax-Schreiben: Die vom Stadtparlament beschlossene Erhöhung auf 50 Millionen Euro wird lediglich in Höhe von 40 Millionen Euro genehmigt und in Höhe von 10 Millionen Euro versagt.“

Danach geht es richtig los: „Der extrem hohe Bedarf an Liquidität kann auch unter Berücksichtigung der eingereichten Unterlagen nicht nachvollzogen werden“, schreibt der Landrat (das Wort „extrem“ hat er fett gesetzt). Auch sei nicht nachvollziehbar, „weshalb die Stadt Hofheim in diese finanzielle Ausnahmesituation geraten ist“. Cyriax knallhart: „Ich bitte um Aufklärung.“

Er schreibt weiter: „Ich rüge, dass Ihr Girokonto bereits zum jetzigen Zeitpunkt sehr weit überzogen ist.“ Und er missbilligt, die Unterlagen erst kurz vor Weihnachten erhalten zu haben. „Dieses Verhalten zwingt mich, in einer unangemessen kurzen Zeitspanne alle Sachverhalte zu prüfen.“

„Ich rüge“, schreibt er nochmals, dass im ersten Halbjahr 2025 kein Nachtragshaushalt aufgestellt worden sei, obwohl dies „zwingend erforderlich gewesen wäre“. Die jetzt vorgelegte zweite Nachtragssatzung für den 50-Millionen-Kredit „erfüllt nicht die Vorgaben der allgemeinen Haushaltsgrundsätze sowie der gesetzlichen Grundlagen“.

Auf Seite 4 lässt Cyriax dann die Bombe platzen: „Der vorliegende Entwurf des Ergebnishaushalts 2026“ gelte „als nicht ausgeglichen. Ein Haushaltssicherungskonzept müsse erstellt und vom Stadtparlament beschlossen werden.

Mit einem Haushaltssicherungskonzept wird die gesamte Lokalpolitik quasi auf Sparmodus gesetzt. Jeder Euro wird geprüft, und die politische Gestaltungsmöglichkeiten sind stark begrenzt. Die Stadtpolitik wird jetzt an die kurze Leine genommen. Cyriax: „Ich fordere Sie auf, mir monatlich über den Stand bzw. Höhe der Liquiditätskredite zu berichten.“

Hofheim 2026: Gebühren rauf, Leistungen runter

Wie geht’s jetzt weiter? Stadtverwaltung und auch die Stadtverordneten müssen ran, und zwar zügig. Zitate aus dem Schreiben des Landratsamtes:

 „Darüber hinaus fordere ich Sie auf, Entgelte, Gebühren und Beiträge bereits zum jetzigen Zeitpunkt (…) zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.“

„Ferner fordere ich Sie auf, die freiwilligen Leistungen dauernd auf ihre Notwendigkeit und den Leistungsumfang hin zu überprüfen. Von der Übernahme neuer Leistungen im disponiblen Bereich oder deren Ausweitung ist grundsätzlich abzusehen.“

„Ich bitte hinsichtlich neuer Investitionen einen sehr kritischen Maßstab anzulegen bzw. zu prüfen, inwieweit die Haushaltslage (…) Investitionen zulässt.“

Und nochmal, von Cyriax extra unterstrichen, um die Bedeutung herauszustellen: Es ist daher dringend geboten, die Aufwendungen und Auszahlungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren sowie die Erträge und Einzahlungen zu erhöhen.“

Konkret bedeutet das: Entgelte, Gebühren, Beiträge – alles wird teurer in Hofheim. Alle freiwilligen Leistungen kommen auf den Prüfstand: Vereinszuschüsse, Museen, Stadtbücherei, Sportvereine, Parks, lokale Feste… Und Investitionen sind nur noch nach sehr kritischem Maßstab möglich.

Mit anderen Worten: Eigentlich geht nichts mehr in der Hofheimer Lokalpolitik.

Und für alle Lokalpolitiker, die den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben sollten, schreibt Landrat Cyriax es noch einmal gegen Ende seines Briefes in unmissverständlichen Worten auf:

„Aufgrund der angespannten Liquiditätslage hielte ich es für unverantwortlich, den Haushalt 2026 nicht zeitnah zu beraten und zu beschließen. Bitte bringen Sie das Verfahren schnellstmöglich zum Abschluss, auch um die sehr angespannte Liquiditätslage zu verbessern.“

HN/TR

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